< Super Teamleistung beim Bundesjungzüchtertreffen in Leer
20.05.2016 14:05 Alter: 3 yrs

Die 18. Brandenburger Jungzüchtertage auf der BraLa

Jungzüchter zwischen Protest und Hoffnung


In diesem Jahr fiel Himmelfahrt auf ein sehr frühes Datum und damit einhergehend auch die BraLa und die Jungzüchtertage. Am 7. und 8. Mai 2016 wurde der jährliche Höhepunkt im Jungzüchterjahr veranstaltet. Leider standen in diesem Jahr die Jungzüchtertage im Vorfeld unter keinem guten Stern. Aus veterinärrechtlichen Gründen konnten Rinder nicht aufgetrieben werden und die allgegenwärtige desaströse Lage der Milchwirtschaft und der gesamten Landwirtschaft drückte die Stimmung aller Jungzüchter und Rinderhalter. Umso erfreulicher ist es, dass nicht nur das Rinderzelt gefüllt werden konnte, sondern auch über 60 Jungzüchter an den Wettbewerben teilgenommen haben!

Protest für UNSERE Zukunft

Der Milchpreis ist so tief wie noch nie, schaut man nach links oder rechts verschwinden Betriebe. Milchkuhherden, die mit viel Liebe, Enthusiasmus und Engagement über Jahre aufgebaut wurden und wertvolle Milch für die Verbraucher produzieren, werden innerhalb kürzester Zeit unwiederbringlich aufgelöst. Existenzen stehen vor dem Aus und Zukunftspläne werden vernichtet. Dieses drastische Bild zeigt sich in unserer Landwirtschaft und eine Besserung ist leider nicht in Sicht.

Die Jungzüchter als zukünftige Landwirte und Rinderzüchter spüren dieses Problem am eigenen Leib. Familienbetriebe bangen um ihre Existenz und die Zukunft in diesem schönen Berufsfeld ist problematischer denn je. Daher haben sich die Jungzüchter zusammengeschlossen und das Podium der BraLa mit den über 40.000 Besuchern aus der Fach- und Verbraucherschaft genutzt, um auf die geschilderten Probleme aufmerksam zu machen. Schwarze T-Shirts mit den Aufschriften: „Und wenn SIE nicht gestorben sind, dann melken WIR noch morgen!“, „WIR Jungzüchter haben Angst um UNSERE Zukunft!“, „Erst gehen die KÜHE, dann gehen WIR!“ sollte zum Nachdenken anregen. Die Jungzüchter versuchten auf ihre Weise den Verbraucher diese Situation näher zu bringen und standen für Fragen gerne bereit. Der Protest gegen die Ausbeutung der Milchbauern durch die zu niedrigen Preise und die Hoffnung der jungen Leute, eine Zukunft in der Landwirtschaft zu haben, stieß auf viel Zuspruch bei den Besuchern.

Wir lassen uns nicht unter kriegen

Trotz dieser allgegenwertigen Problematik wollten die Jungzüchter den Zuschauern zeigen, wie schön der Umgang mit Rindern ist. Traditionell reisten am Mittwoch vor Himmelfahrt die Fleischrinder in Paaren/Glien an. Mit ihnen auch einige Jungrinder aus dem RBB-Zuchtprogramm sowie sechs Kühe der Rasse Deutsche Holstein. Es ist wichtig, dass an allen BraLa-Tagen viele Vereinsmitglieder präsent sind. Die Schaubilder werden maßgeblich durch die Jungzüchter mitbestimmt und auch die Landesfleischrinderschau würde ohne die Unterstützung nicht so reibungslos ablaufen. Ein super Zusammenspiel zwischen Züchtern, Zuchtverband und Jungzüchtern machten die BraLa zu einer tollen Gesamtveranstaltung.

Der Samstag stand ganz im Zeichen der Fleischrindjungzüchter. Insgesamt 23 Teilnehmer boten einen schönen Wettbewerb, den in diesem Jahr von Marie Porse aus Sachsen-Anhalt gerichtet wurde. Jüngste Teilnehmerin war in diesem Jahr die erst dreijährige Helene Primann, die tapfer das kleine Galloway-Kalb „Soraja“ von Manfred Glaser mit etwas Unterstützung vorführte. Aus den drei Klassen der jüngeren Teilnehmer kristallisierte sich eine Jungzüchterin heraus, die trotz ihrer jungen Jahre schon viele Wettbewerbe für sich entscheiden konnte. Linda Polzfuss trat in diesem Jahr mit ihrer eigenen Färse „Felina“ an und konnte durch ihre sehr schöne und aufmerksame Vorführweise nicht nur den Klassensieg einfahren, sondern auch die Siegerschärpe jung gewinnen. Bei den drei älteren Klassen wurde das Niveau immer höher und machte einen Richtentscheidung nicht einfacher.  Letztendlich musste sich Stephanie Pietzsch trotz hervorragender Vorführleistung Markus Thiele geschlagen geben. Er und der von ihm vorgeführte Bulle „Marwin“ aus der AG Hohennauen eG waren an diesem Tage das perfekte Team und fuhren gemeinsam den Sieg beim Vorführen ein.

Im Rangierwettbewerb gab es in diesem Jahr etwas Besonderes. Es galt erstmalig vier Dexter-Färsen zu richten. Dabei zeigten Sophia Tornow, Lena Brendicke und Maik-Maximilian Plathe ein gutes Auge und gewannen diesen Wettbewerb. Bei der Tierbeurteilung, geleitet von Rainer Tornow, wurden drei Uckermärkerkühe vorgestellt. Hierbei hatten Linda Polzfuss und Nadine Reitz die Nase vorne und gewannen diesen schwierigen Theoriewettbewerb.

Auch die Milchrindjungzüchter waren an diesem Tag nicht untätig und maßen sich in den Theoriewettbewerben, die von Carsten Tessendorff (Tierbeurteilung) und Thomas Auert (Rangieren) begleitet wurden. Beim Rangieren der vier erstlaktierenden Holsteinkühe waren viele Jungzüchter der gleichen Meinung wie der RBB Geschäftsführer. Jette Puhlmann und Hanne Benz bei den jungen Teilnehmern und Felix Elbrecht, Stephanie Pietzsch, Shayenne Görner, Lars König, Philipp Schulze und Alina Wolfgram hatten die korrekte Rangierung notiert. Beim der Tierbeurteilung konnten sich Pascal Marganus und Jette Puhlmann mit einer hervorragenden Leistung der 1. Platz teilen. Bei den älteren Teilnehmern hatte Felix Elbrecht das beste Ergebnis.

Nach einem Tag voller Wettbewerbe ließen die Jungzüchter bei einer lustigen und gemütlichen Party den Samstag ausklingen. Maria Thiele und Alex Thier bereiteten dazu mit ihrem kleinen Programm viel Freude.

Am Sonntag ging das Treiben im Rinderzelt schon im Morgengrauen los, Tiere waschen, Fitten und alles für den Wettbewerb vorbereiten. Punkt neun Uhr zogen die jüngsten Teilnehmer der 40 Starter von den Milchrindjungzüchtern in den Ring. Die jüngste unter ihnen war Mia Morgenroth, die das Kälbchen „Greta“ von der Familie Ziem im Ring präsentierte und nicht nur das Herz der Richterin Anna Topp aus Niedersachsen höher schlagen ließ. Bei der Siegerauswahl der sechs jungen Klassen wurde jedem Zuschauer an und im Ring klar, was für ein hohes Niveau die Jungzüchter schon in diesem Alter haben. Letztendlich taten sich zwei Jungzüchter in der Endauswahl hervor. Zum einen der zehnjährige Hannes Benz, der seine „Parole“ (Fred Ziem) in bester Weise vorstellte und die Richterin überzeugte. Die Siegerschärpe ging letztendlich an Lena Brendicke. Seitdem Lena laufen kann, nimmt sie an Vorführwettbewerben teil. Mit viel Disziplin, Kontakt zur Richterin und einem tollen Teamwork mit ihrem Tier „Stasch“ (LSV Vehlefanz) gewann sie verdient den Titel beste Vorführerin jung. Bei den älteren Jungzüchtern war die Vorführqualität hervorragend und in der Spitze auf Bundesniveau, was alle Zuschauer in den Bann zog. Den schwierigsten Job hatte die Richterin Anna Topp, die eine Entscheidung treffen musste. Alle Kniffe wurden abgefragt und auch die Tiere getauscht. Kleinigkeiten waren entscheidend. In der Spitze waren es Stephanie Pietzsch und Frans Ziem, die sich ein Kopf an Kopf Rennen auf höchstem Niveau boten. Beide haben schon auf Bundesebene ihr Können bewiesen und doch sind sie so unterschiedlich. Frans ist mit seinen 16 Jahren erst in die Altersklasse II aufgestiegen und hat noch viele Wettbewerbe vor sich und Steffi, die schon oft ihre sehr gute Vorführleistung bewiesen hat,startete aufgrund ihrer 25 Jahre das letzte Mal im Wettbewerb. Um Haaresbreite ging der Sieg an Frans Ziem mit seiner Samburu-Tochter „Katharina“, mit der er erst Anfang April beim Bundesjungzüchtertreffen in Leer erfolgreich gestartet war.

Im Anschluss an den Vorführwettbewerb traten die elf Typtiere aus den einzelnen Richtklassen gegeneinander an. Die Siegerschärpe verlieh Anna Topp der jungen, aber sehr korrekten und schliffigen Guarini-Enkeltochter „Gemma“ vom Zuchtbetrieb Hermann Lühmann. Ein toller Erfolg für die engagierte Familie und vor allem für die beiden Brüder Hermann und Konrad ein fantastischer Abschluss zu dieser BraLa.

Ein Highlight ist immer die Wahl der Junior und Grand Champions. Bei den Fleischrindern kann sich in diesem Jahr Alina Zorn aufgrund sehr guter Leistungen in allen Wettbewerben Junior Champion nennen. Grand Champion wurde Markus Thiele  aufgrund der überzeugenden Leistung an den beiden Tagen. Eng wurde die Entscheidung bei den Milchrindjungzüchtern. Die Qualität war sehr hoch und mehrere Jungzüchter dicht beieinander. Der Titel Junior Champion ging an Lena Brendicke, die souverän sehr gute Leistung bei allen Wettbewerben zeigte. Mit einen 1a-Platz in allen drei Disziplinen und somit sehr guten ausgeglichenen Ergebnis wurde Felix Elbrecht zum Grand Champion gewählt. Aufgrund besonderem Engagement und  Verdienst für den Verein wurden Maik-Maximilian Plathe und Theresa Betker mit dem Preis des Landkreises Havelland geehrt.

„In einen Land vor unserer Zeit“

In diesem Jahr wurde zum dritten Mal die alte Tradition der Gruppenwettbewerbe aufleben gelassen. Drei Gruppen machten sich wieder viele Mühe mit dem Gestalten ihrer Kostüme für Mensch und Rind und machten die Tierschau und einem kunterbunten Bild für die Zuschauer. Die LSV Vehlefanz ging mit der „Familie Feuerstein“ ins Rennen, die GbR Bodien präsentierten mit einer Gruppe „Dinosaurier“ das Thema „In einem Land vor unserer Zeit“ und auch die WENAU Agrar GmbH trat mit einer kleinen Gruppe Dinos an. Am Ende kürten die neu gekrönte Milchkönigin und Herr Wolfgang Herklotz von der Bauernzeitung die „Familie Feuerstein“ zum Sieger in diesem Wettbewerb, wobei jede Gruppe mit ihren tollen kreativen Ideen ein Gewinner an diesem Tag war!

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Mitwirkenden, Helfern und Förderern für die tolle Unterstützung des Vereins und der Jungendarbeit, ohne die eine solche Veranstaltung nicht durchzuführen wäre. Auch den zahlreichen Spendern, egal ob monetär oder mit Sachspenden, ist an dieser Stelle ein großer Dank auszusprechen. Nicht zu vergessen sind alle Jungzüchter, die diesen Jungzüchtertag durch ihre Teilnahme und Hilfe mitgestaltet haben! Es war eine schöne Veranstaltung, bei denen die Jungzüchter für ihren Berufsstand eingetreten sind, protestiert haben und dennoch tolle Tage gemeinsam mit ihren Rindern verbracht haben.